Eigenschaften/WirkungenATC-Code
B03XA06
Wirkungsmechanismus
Luspatercept, ein Erythrozyten-Reifungs-Aktivator, ist ein rekombinantes Fusionsprotein, das an ausgewählte Liganden der TGF-β-Familie (Transforming growth factor beta) bindet. Durch Bindung an spezifische endogene Liganden (z.B. GDF-11, Activin B) hemmt Luspatercept den Smad2/3-Signalweg und ermöglicht so die erythroide Reifung über Expansion und Differenzierung von erythroiden Vorläuferzellen (Normoblasten) in der späten Phase der Erythropoese im Knochenmark und so die Wiederherstellung einer effektiven Erythropoese. Der Smad2/3-Signalweg ist in Krankheitsmodellen, die sich durch eine ineffiziente Erythropoese auszeichnen, d.h. MDS und β-Thalassämie, und im Knochenmark von MDS-Patienten abnorm hoch.
Somatische Mutationen bei MDS-Patienten
Luspatercept zeigte klinischen Nutzen und vorteilhafte Wirkung gegenüber Epoetin alfa bei mehreren genomischen Mutationen, die häufig bei Niedrigrisiko-MDS beobachtet werden, mit Ausnahme von CBL-Genmutationen.
Pharmakodynamik
Hb-Ansprechen
Bei Patienten, die < 4 Einheiten von EK-Transfusionen in den 8 Wochen vor der Studie erhielten, erhöhte sich das Hb innerhalb von 7 Tagen nach Beginn der Behandlung und der Anstieg korrelierte mit der Zeit bis zum Erreichen von Luspatercept Cmax. Der grösste mittlere Hb-Anstieg wurde nach der ersten Dosis verzeichnet, mit weiteren kleineren Anstiegen nach weiteren Dosen. Der Hb-Spiegel erreichte ungefähr 6 bis 8 Wochen nach der letzten Dosis (0,6 bis 1,75 mg/kg) wieder den Ausgangswert. Die zunehmende Serumexposition (AUC) von Luspatercept war mit einem grösseren Hb-Anstieg bei Patienten mit ESA-refraktärem oder -intolerantem MDS oder β-Thalassämie verbunden.
Bei Patienten mit nicht-transfusionsabhängiger β-Thalassämie, die eine Ausgangs-Transfusionslast von 0 bis 5 Einheiten innerhalb von 24 Wochen aufwiesen, ging eine Erhöhung der Serumexposition von Luspatercept (zeitgemittelte AUC) mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines Hb-Anstiegs (≥1 g/dl oder ≥1,5 g/dl) sowie einem längeren Anhalten derartiger Hb-Anstiege einher. Die Luspatercept-Serumkonzentration, bei der 50 % der maximalen stimulierenden Wirkung auf die Hb-Bildung erreicht werden, wurde auf 7,6 μg/ml geschätzt.
Klinische Wirksamkeit
Myelodysplastische Syndrome bei ESA-naiven Patienten
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Luspatercept wurde in der multizentrischen, randomisierten, offenen, aktiv kontrollierten Phase-III-Studie COMMANDS (ACE-536-MDS-002) untersucht, in der Luspatercept mit Epoetin alfa verglichen wurde bei Patienten mit Anämie aufgrund von sehr niedrigem, niedrigen oder mittleren Risiko-MDS gemäss International Prognostic Scoring System-Revised (IPSS-R) oder von myelodysplastischen/myeloproliferativen Neoplasien mit Ringsideroblasten und Thrombozytose (MDS/MPN RS-T), bei ESA-naiven Patienten (mit endogenen Serum-Erythropoietin (sEPO)-Spiegeln von < 500 U/L), die EK-Transfusionen benötigen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war, dass die Patienten unmittelbar vor der Randomisierung für mindestens 8 Wochen bestätigt 2 bis 6 EK-Einheiten/8 Wochen erhalten hatten. Patienten mit Deletion 5q (del5q)-MDS waren von der Studie ausgeschlossen.
Die Patienten wurden mindestens 24 Wochen lang behandelt, es sei denn, es traten inakzeptable Toxizitäten auf, die Einwilligung wurde widerrufen oder es waren andere Kriterien für den Abbruch der Behandlung erfüllt. Die Behandlung wurde über Woche 24 hinaus fortgesetzt, wenn ein klinischer Nutzen vorlag (definiert als eine Transfusionsreduktion von ≥2 EK-Einheiten/8 Wochen im Vergleich zum Ausgangswert) und keine Krankheitsprogression eintrat. Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Beurteilungen wurde die Behandlung entweder abgesetzt und die Patienten wurden in den Nachbeobachtungszeitraum aufgenommen oder sie setzten die offene Behandlung (mit Luspatercept oder Epoetin alfa) fort, solange die oben genannten Kriterien weiterhin erfüllt waren oder bis der Patient inakzeptable Toxizitäten zeigte, die Einwilligung widerrief oder andere Abbruchkriterien erfüllt waren.
Insgesamt wurden 363 Patienten randomisiert einer Behandlung mit entweder Luspatercept (N = 182) oder Epoetin alfa (N = 181) 1 mg/kg subkutan alle 3 Wochen bzw. 450 U/kg jede Woche zugewiesen. Die Randomisierung wurde nach EK-Transfusionslast, RS-Status und sEPO-Spiegel zu Studienbeginn stratifiziert. Für Luspatercept waren zwei Dosiserhöhungen erlaubt (auf 1,33 mg/kg und auf 1,75 mg/kg). Die Dosen wurden beibehalten und anschliessend reduziert aufgrund von Nebenwirkungen, wenn der Hämoglobinwert im Vergleich zum vorherigen Zyklus um ≥2 g/dl anstieg und sie wurden beibehalten, wenn der Hämoglobinwert vor der Dosis ≥12 g/dl betrug. Alle Patienten erhielten die beste unterstützende Behandlung (Best Supportive Care, BSC), die je nach Bedarf EK-Transfusionen, Antibiotika-, Virostatika- und Antimykotika-Therapien sowie eine Ernährungsunterstützung umfasste. Die BSC für diese Studie schloss die Anwendung von ESA ausserhalb der Studienbehandlung aus.
Das Durchschnittsalter der 363 Studienteilnehmer lag bei 73,4 Jahren (Bereich: 31 bis 93 Jahre). Die Studienpopulation war zu 55,4 % männlich und zu 44,6 % weiblich; 79,6 % waren weisshäutig, 0,6 % dunkelhäutig oder Afroamerikaner, 12,1 % asiatisch und bei 7,7 % der Patienten wurde die ethnische Zugehörigkeit nicht erfasst. 85,7 % der Patienten waren nicht hispanischer oder lateinamerikanischer Herkunft, 6,3 % waren hispanischer oder lateinamerikanischer Herkunft, 7,4 % waren Patienten ohne Angabe der ethnischen Zugehörigkeit, und 0,6 % waren unbekannter Zugehörigkeit.
Die medianen Hämoglobin (Hb)-Werte waren zwischen den beiden Gruppen identisch und der Medianwert betrug in beiden Gruppen 7,80 g/dl. Die Spanne für die Luspatercept-Gruppe betrug 4,7 bis 9,2 g/dl und für die Epoetin-alfa-Gruppe 4,5 bis 10,2 g/dl. Die mediane Zeit seit MDS-Erstdiagnose betrug 7,97 Monate in der Luspatercept-Gruppe und 5,13 Monate in der Epoetin-alfa-Gruppe.
In der Luspatercept-Gruppe hatten 79,7 % der Patienten einen sEPO-Spiegel von ≤200 U/l und 20,3 % hatten Spiegel von > 200 U/l bis < 500 U/l, mit einem medianen sEPO-Spiegel von 77'245 U/l. In der Epoetin-alfa-Gruppe hatten 79,6 % sEPO-Spiegel von ≤200 U/l und 20,4 % hatten Spiegel von > 200 U/l bis < 500 U/l, mit einem medianen sEPO-Spiegel von 85'370 U/l. Das Serumferritin hatte einen Medianwert von 623,00 µg/l (Spanne: 12,4 bis 3'170,0 µg/l) in der Luspatercept-Gruppe und 650,00 µg/l (Spanne: 39,4 bis 6'960,5 µg/l) in der Epoetin-alfa-Gruppe.
Die Transfusionslast über 8 Wochen vor Therapiebeginn zeigte, dass 64,8 % der Patienten in der Luspatercept-Gruppe weniger als 4 EK-Einheiten erhielten, während 35,2 % 4 oder mehr EK-Einheiten erhielten. In der Epoetin-alfa-Gruppe erhielten 61,3 % der Patienten weniger als 4 EK-Einheiten und 38,7 % erhielten 4 oder mehr EK-Einheiten.
Gemäss der MDS-Klassifikation der WHO von 2016 hatten in der Luspatercept-Gruppe 0,5 % der Patienten ein MDS mit Einlinien-Dysplasie (MDS-SLD), 27,5 % ein MDS mit Multilinien-Dysplasie (MDS-MLD), 1,1 % ein MDS mit Ringsideroblasten und Einlinien-Dysplasie (MDS-RS-SLD), 69,8 % ein MDS mit Ringsideroblasten und Multilinien-Dysplasie (MDS-RS-MLD) und 1,1 % hatten myelodysplastische/myeloproliferative Neoplasien mit Ringsideroblasten und Thrombozytose (MDS/MPN-RS-T). In dieser Gruppe fehlten keine Daten. Bei Epoetin alfa war die Verteilung 2,2 % für MDS-SLD, 26,0 % für MDS-MLD, 3,3 % für MDS-RS-SLD, 65,2 % für MDS-RS-MLD, 2,8 % für MDS/MPN-RS-T und von 0,6 % fehlten Daten.
Auf der Grundlage der IPSS-R-Klassifikation wurden 8,8 % der Luspatercept-Patienten als Patienten mit sehr niedrigem Risiko eingestuft, 71,4 % als Patienten mit niedrigem Risiko, 18,7 % als Patienten mit intermediärem Risiko und 1,1 % wurden als Sonstige/fehlende Angabe eingestuft. Bei den Epoetin-alfa-Patienten hatten 9,4 % ein sehr niedriges Risiko, 73,5 % ein niedriges Risiko, 16,0 % ein intermediäres Risiko und 1,1 % wurden als Sonstige/fehlende Angabe eingestuft.
Gemäss den WHO-Kriterien (2016) wiesen 73,1 % der Patienten in der Luspatercept-Gruppe Ringsideroblasten auf (RS+) und 26,9 % wiesen keine Ringsideroblasten auf (RS-). In dieser Gruppe fehlten keine Daten. In der Epoetin-alfa-Gruppe waren 71,8 % der Patienten RS+, 27,6 % RS- und für 0,6 % lagen keine Daten vor.
In der Luspatercept-Gruppe wiesen 62,6 % der Patienten eine Mutation des SF3B1-Gens (Spleissfaktor-3B-Untereinheit 1A) auf, 35,7 % hatten keine Mutation und von 1,6 % lagen keine Daten vor. In der Epoetin-alfa-Gruppe hatten 55,8 % der Patienten die SF3B1-Mutation, 39,8 % hatten keine Mutation und von 4,4 % lagen keine Daten vor.
Der primäre Endpunkt war das Erreichen der Unabhängigkeit von EK-Transfusionen (RBC-TI) über 12 Wochen mit einem gleichzeitigen mittleren Hb-Anstieg von mindestens 1,5 g/dl (Woche 1 - 24). Die Ansprechrate betrug 60,4 % (110/182) bei den Patienten, die Luspatercept erhielten (95 %-KI: 52,9 % bis 67,6 %) im Vergleich zu 34,8 % (63/181) bei den Patienten, die Epoetin alfa erhielten (95%-KI 27,9 % bis 42,2 %). Die gemeinsame Risikodifferenz der Ansprechrate zwischen den zwei Gruppen betrug 25,4 % zugunsten von Luspatercept (95 %-KI: 15,8 % bis 35,0 %; p-Wert < 0,0001; die Odds Ratio für diesen Vergleich betrug 3,1, mit einem 95 %-KI von 2,0 bis 4,8).
Der Behandlungseffekt von Luspatercept auf den RBC-TI ≥ 12 Wochen und der Hb-Anstieg von ≥ 1,5 g/dl war in allen zu Therapiebeginn gebildeten klinisch relevanten demografischen Subgruppen und in den meisten Krankheitsmerkmal-Subgruppen höher als bei Epoetin alfa, ausser bei Patienten ohne Ringsideroblasten, bei denen der Behandlungseffekt von Luspatercept mit dem von Epoetin alfa vergleichbar war.
Bei den sekundären Endpunkten betrug die Rate der hämatologischen Besserung - Erythroid (HI-E) über mindestens 8 Wochen (Woche 1 - 24) 74,2 % (135/182) bei den mit Luspatercept behandelten Patienten im Vergleich zu 53 % (96/181) der mit Epoetin alfa behandelten Patienten. Die gemeinsame Risikodifferenz betrug 21,5 % (95 %-KI: 12,2 % bis 30,7 %), p-Wert < 0,0001.
p-Wert < 0,0001.
Myelodysplastische Syndrome bei ESA-refraktären oder -intoleranten Patienten
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Luspatercept wurde in der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie MEDALIST (ACE-536-MDS-001) bei erwachsenen Patienten mit Anämie untersucht, die EK-Transfusionen (≥ 2 Einheiten/8 Wochen) aufgrund ihres MDS, das gemäss der WHO/FAB-Klassifikation die IPSS-R Kriterien eines sehr niedrigen, niedrigen oder intermediären Risikos erfüllt, benötigen und Ringsideroblasten aufwiesen (≥15 %). Alle Patienten wiesen weniger als 5 % Blasten im Knochenmark auf.
Die MEDALIST-Studie schloss Patienten mit Deletion 5q (del5q), Leukozytenzahl > 13 G/l, Neutrophile < 0,5 G/l, Thrombozyten < 50 G/l, oder mit vorheriger Anwendung eines krankheitsmodifizierenden Wirkstoffs zur Behandlung von MDS aus. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Patienten auf eine vorherige Behandlung mit einem Erythropoese stimulierenden Wirkstoff (ESA) unzureichend ansprachen, eine Unverträglichkeit gegenüber ESA-Behandlung aufwiesen oder einen Serum-Erythropoetin-Wert von > 200 U/l aufwiesen.
Insgesamt 229 Patienten wurden randomisiert einer Behandlung mit entweder Luspatercept 1,0 mg/kg (n = 153) oder Placebo (n = 76) subkutan alle 3 Wochen zugewiesen. Die Randomisierung erfolgte stratifiziert nach dem Ausgangswert der EK-Transfusionslast und dem Ausgangswert des IPSS-R. Die Behandlung wurde mit 1 mg/kg subkutan alle 3 Wochen begonnen. Eine Dosistitration auf bis zu 1,75 mg/kg war erlaubt. Die Dosis konnte in Abhängigkeit vom Hb-Wert verzögert oder reduziert werden.
Alle Patienten waren für eine BSC berechtigt, die je nach Bedarf EK-Transfusionen, Eisenchelatoren, Antibiotika-, Virostatika- und Antimykotika-Therapien sowie eine Ernährungsunterstützung umfasste.
Die Patienten in beiden Armen wurden 24 Wochen lang behandelt. Anschliessend wurde die Behandlung bei nachweislichem klinischen Nutzen und Ausbleiben einer Krankheitsprogression fortgesetzt. Die Studie wurde für Analysen entblindet, sobald alle Patienten mindestens 48 Wochen lang behandelt worden waren oder die Behandlung abbrachen.
Insgesamt 128 (83,7 %) bzw. 68 (89,5 %) der Patienten, die Luspatercept bzw. Placebo erhielten, schlossen 24 Behandlungswochen ab. Insgesamt 78 (51 %) bzw. 12 (15,8 %) Patienten, die Luspatercept bzw. Placebo erhielten, schlossen 48 Behandlungswochen ab.
Die Wirksamkeit von Reblozyl wurde anhand des Anteils der Patienten ermittelt, die unabhängig von Erythrozytentransfusionen waren (RBC-TI), definiert als das Fehlen jeglicher EK-Transfusion während eines beliebigen durchgehenden 8-Wochen-Zeitraums, der zur Gänze zwischen Woche 1 und Woche 24 liegt.
Das mediane Alter der 229 Studienteilnehmer lag bei 71 Jahren (Spanne: 26 bis 95 Jahre). Die Studienpopulation war zu 63 % männlich und zu 69 % weisshäutig.
Zu Studienbeginn wiesen bei den Luspatercept-Patienten 57,5 % sEPO-Spiegel unter 200 U/l auf, 28,1 % hatten Spiegel von 200 bis 500 U/l und 13,7 % hatten Spiegel über 500 U/l. Bei 0,7 % fehlten die Werte. Bei den Placebo-Patienten hatten 65,8 % sEPO-Spiegel unter 200 U/l, 19,7 % hatten Spiegel von 200 bis 500 U/l und 14,5 % hatten Spiegel über 500 U/l. Es fehlten keine Werte. Der mediane Serumferritinspiegel betrug 1'089,2 µg/l (Spanne: 64 - 5'968) in der Luspatercept-Gruppe und 1'122,1 µg/l (Spanne: 165 - 5'849) in der Placebo-Gruppe.
Die IPSS-R-Klassifikation zeigte, dass 11,8 % der Luspatercept-Patienten mit einem "sehr niedrigen Risiko" eingestuft waren, 71,2 % mit einem "niedrigen Risiko" , 16,3 % mit einem "intermediärem Risiko" und 0,7 % als "Sonstige" . Bei den Placebo-Patienten lagen die entsprechenden Anteile bei 7,9 %, 75,0 % und 17,1 % für das "intermediäre Risiko" ; kein Patient wurde als "Sonstige" eingestuft.
Gemäss WHO-Klassifikation 2016 für MDS wurde bei 14 Patienten (9,2 %) in der Luspatercept-Gruppe und bei 9 Patienten (11,8 %) in der Placebo-Gruppe eine myelodysplastische/myeloproliferative Neubildung mit Ringsideroblasten und Thrombozytose (MDS/MPN-RS-T) diagnostiziert.
Die Beurteilung der EK-Transfusionslast über einen Zeitraum von 8 Wochen vor Therapiebeginn (erfasst über 16 Wochen vor der Randomisierung) zeigte, dass 43,1 % der Luspatercept-Patienten 6 oder mehr EK-Einheiten benötigten und 56,9 % benötigten weniger als 6 Einheiten. In der Placebo-Gruppe benötigten 43,4 % der Patienten 6 oder mehr EK-Einheiten und 56,6 % benötigten weniger als 6 Einheiten. Die medianen Hb-Spiegel waren 7,6 g/dl (Spanne: 6 - 10) in der Luspatercept-Gruppe und 7,6 g/dl (Spanne: 5 - 9) in der Placebo-Gruppe.
In der Luspatercept-Gruppe wiesen 92,2 % der Patienten die SF3B1-Mutation auf. 7,8 % hatten keine Mutation. Bei den Placebo-Patienten wiesen 85,5 % die Mutation auf, 13,2 % der Patienten hatten keine Mutation.
Die Ansprechrate für den primären Endpunkt der RBC-TI über 8 Wochen oder länger (Woche 1 - 24) betrug 37,9 % (58/153) bei den mit Luspatercept behandelten Patienten, verglichen mit 13,2 % (10/76) in der Placebo-Gruppe. Die gemeinsame Risikodifferenz der Ansprechrate betrug 24,56 % (95 %-KI: 14,48 bis 34,64), der p-Wert lag bei <0,0001.
Die sekundären Endpunkte umfassten das Erreichen einer RBC-TI für 12 Wochen (Woche 1 - 24). In der Luspatercept-Gruppe gab es 43 Responder (28,1 %) versus 6 Responder (7,9 %) in der Placebo-Gruppe. Die daraus resultierende gemeinsame Risikodifferenz betrug 20 % (95 %-KI: 10,92 bis 29,08), mit einem p-Wert von 0,0002. Die RBC-TI von 12 Wochen (Woche 1 - 48) hatte 51 Responder (33,3%) unter Luspatercept verglichen mit 9 (11,8%) unter Placebo. Die gemeinsame Risikodifferenz betrug 21,37 % (95 %-KI: 11,23 bis 31,51), mit einem p-Wert von 0,0003.
Für die Gruppe mit einer Transfusionslast von ≥8 Einheiten/8 Wochen liegen nur begrenzt Daten vor. Die Wirksamkeit wurde bei Patienten mit einer Transfusionslast von > 12 Einheiten/8 Wochen nicht nachgewiesen.
Transfusionsabhängige β-Thalassämie
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Luspatercept wurde in der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie BELIEVE (ACE-536-B-THAL-001) untersucht. Die Studienpopulation umfasste erwachsene Patienten mit transfusionsabhängiger
β-Thalassämie–assoziierter Anämie, die auf EK-Transfusionen von 6 bis 20 Einheiten/24 Wochen ohne transfusionsfreien Zeitraum von > 35 Tagen/24 Wochen angewiesen waren.
Die Patienten im Luspatercept- und im Placebo-Arm wurden mindestens 48 und bis zu 96 Wochen lang behandelt. Nach Entblindung konnten die Placebo-Patienten zu Luspatercept wechseln.
Insgesamt 336 erwachsene Patienten wurden randomisiert und erhielten entweder Luspatercept 1 mg/kg (N = 224) oder Placebo (N = 112) subkutan alle 3 Wochen. Dosistitration bis 1,25 mg/kg war erlaubt. Die Dosis konnte in Abhängigkeit vom Hb-Wert verzögert oder reduziert werden. Alle Patienten waren berechtigt für BSC, die EK-Transfusionen, Eisenchelatoren, Einsatz von Antibiotika, antiviraler und antimykotischer Therapie sowie Nahrungsergänzungsmitteln je nach Bedarf umfasste. Die Studie schloss Patienten mit Hb S/β-Thalassämie oder alpha(α)-Thalassämie oder mit schweren Organschäden (Lebererkrankung, Herzerkrankung, Lungenerkrankung, Niereninsuffizienz) aus. Patienten mit einer kürzlichen TVT, Schlaganfall oder Behandlung mit ESA, Immunsuppressivum oder Hydroxyharnstoff waren ebenfalls ausgeschlossen.
Das mediane Alter lag bei 30 Jahren (Spanne: 18–66 Jahre). Die Patienten der Studie waren zu 42 % männlich, zu 54,2 % weisshäutig, zu 34,8 % asiatisch und zu 0,3 % dunkelhäutig oder Afroamerikaner. Der Prozentsatz der Patienten, die ihre ethnische Zugehörigkeit als "Sonstige" angaben, war 7,7 %, und bei 3 % der Patienten wurde die ethnische Zugehörigkeit nicht erfasst oder angegeben.
Die Krankheitsmerkmale umfassten die Hb-Schwellenwerte vor der Transfusion während einer 12-wöchigen Einlaufphase, mit medianen Hb-Werten von 9,30 g/dl (Spanne: 4,6 - 11,4) in der Luspatercept-Gruppe und 9,14 g/dl (Spanne: 6,2 - 11,5) in der Placebo-Kohorte. Die Transfusionslast über 12 Wochen vor Therapiebeginn zeigte mediane Werte von 6,12 Einheiten in der Luspatercept-Gruppe (Spanne: 3,0 - 14,0) und 6,27 Einheiten in der Placebo-Gruppe (Spanne: 3,0 - 12,0). In der Luspatercept-Kohorte wurde bei 77,7 % eine β-Thalassämie diagnostiziert, 13,8 % hatten eine HbE/β-Thalassämie, 8 % eine β-Thalassämie in Kombination mit einer α-Thalassämie und bei 0,4 % fehlten diagnostische Angaben. In der Placebogruppe wurde bei 74,1 % eine β-Thalassämie, bei 18,8 % eine HbE/β-Thalassämie und bei 7,1 % eine β-Thalassämie in Kombination mit einer α-Thalassämie diagnostiziert.
Hinsichtlich der Gruppierung der β-Thalassämie-Genmutationen in der Luspatercept-Kohorte lagen bei 30,4 % der Patienten β0/β0-Mutationen und bei 69,2 % Nicht-β0/β0-Mutationen vor. In der Placebo-Kohorte hatten 31,3 % der Patienten β0/β0-Mutationen, 68,8 % hatten Nicht-β0/β0-Mutationen.
Die Wirksamkeit von Reblozyl bei erwachsenen Patienten mit β-Thalassämie wurde anhand des Anteils der Patienten ermittelt, bei denen eine Verringerung der EK-Transfusionslast (≥33 % gegenüber dem Ausgangswert) in der Grössenordnung von mindestens 2 Einheiten von Woche 13 bis Woche 24 erreicht wurde. In der Luspatercept-Gruppe erreichten 21,0 % (47/224) der Patienten eine solche Abnahme, verglichen mit 4,5 % (5/112) der Patienten in der Placebo-Gruppe. Der Unterschied bei den Anteilen wurde mit 16,5 (95 %-KI: 10,0 bis 23,1) berechnet, mit einem p-Wert <0,0001.
Insgesamt 77,2 % der mit Luspatercept behandelten Patienten erreichten eine Abnahme der EK-Transfusionslast gegenüber dem Ausgangswert von ≥33 % während eines beliebigen 12-Wochen-Intervalls, verglichen mit 34,8 % der Patienten in der Placebo-Gruppe (nominaler p-Wert < 0,0001).
Ausserdem erreichten insgesamt 50,0 % der mit Luspatercept behandelten Patienten eine Abnahme der EK-Transfusionslast von ≥50 % gegenüber dem Ausgangswert während eines beliebigen 12-Wochen-Zeitraums, verglichen mit 8,0 % der Patienten in der Placebo-Gruppe (nominaler p-Wert < 0,0001).
Kinder und Jugendliche
Myelodysplastische Syndrome
Swissmedic hat für Reblozyl eine Freistellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen Altersklassen in myelodysplastischen Syndromen gewährt (siehe "Dosierung/Anwendung" bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
β-Thalassämie
Swissmedic hat eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien mit Reblozyl in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen im Alter von mehr als 6 Jahren für β-Thalassämie gewährt (siehe “Dosierung/Anwendung“bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).
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