Eigenschaften/WirkungenATC-Code
H01BA01
Wirkungsmechanismus
Argipressin (Arginin-Vasopressin) ist ein endogenes Hormon mit osmoregulatorischer, vasopressorischer, hämostatischer und zentralnervöser Wirkungsweise. Die periphere Wirkung von Arginin-Vasopressin wird von verschiedenen Vasopressinrezeptoren, und zwar von V1a-, V1b- und V2-Vasopressinrezeptoren, vermittelt. V1-Rezeptoren finden sich in den arteriellen Blutgefässen und induzieren durch einen Anstieg der Kalziumionen im Zytoplasma über die Phosphatidyl-Inositol-Biphosphat-Kaskade eine vasokonstriktorische (gefässverengende) Wirkung. Hierbei handelt es sich auch um die bedeutendste Wirkung von Argipressin.
Empressin wirkt durch Steigerung der Rückresorption von Wasser in den renalen Tubuli antidiuretisch.
Pharmakodynamik
Bei Patienten mit vasodilatatorischen Schockzuständen (septisches, vasoplegisches und systemisches inflammatorisches Response-Syndrom/SIRSsystemic inflammatory response syndrome) ist während der Infusion von Vasopressin eine lineare Blutdruckreaktion zu beobachten. Insbesondere war eine signifikante Korrelation zwischen einer im Vergleich zum Ausgangswert korrigierten Änderung des mittleren arteriellen Blutdrucks (MAD) und der Vasopressindosis zu verzeichnen. Eine vergleichbare signifikante lineare Beziehung konnte zwischen der Vasopressindosis und dem Anstieg des peripheren Widerstandes sowie der Abnahme des Norepinephrinbedarfs festgestellt werden.
Bei Patienten mit septischem Schock kam es zu Beginn der Verabreichung von Vasopressin bei gleichzeitiger Reduktion der Katecholamindosis zu einer Abnahme der Herzfrequenz. In einer Humanstudie an freiwilligen Probanden, in der die Wirkung einer Vasopressininfusion nach Lisinoprilgabe untersucht wurde, war eine Abnahme der Herzfrequenz von 67 +/- 6.5 auf 62 +/- 4.5 Schläge/Min. (P <0.05) zu beobachten. Eine Suppression der Herzfrequenz und des Herzindex (CI) ist erst ab einer Dosis von mindestens 0.1 IE/Min. zu erwarten.
Klinische Wirksamkeit
Die klinische Evidenz zur Wirksamkeit von Empressin zur Behandlung der katecholaminrefraktären Hypotonie im Rahmen septischer Schockzustände basiert auf einer Analyse von publizierten Studiendaten. In diese Analyse wurden insgesamt 1555 Patienten mit septischem Schock aufgenommen, denen Vasopressin unter kontrollierten Bedingungen verabreicht wurde.
Die randomisierte, doppelblinde «Vasopressin and Septic Shock Studie» (VASST) schloss 778 Patienten mit septischem Schock ein, die zusätzlich zu nicht-verblindeter vasopressorischer Medikation entweder niedrig-dosiertes Vasopressin (0.01 bis 0.03 IE/min; n=396) oder Noradrenalin (5 bis 15 µg/min; N=382) infundiert bekamen. Als primärer Endpunkt war die Gesamtmortalität an Tag 28 nach Infusion der Studienmedikation definiert. Diese war in der Vasopressin-Gruppe mit 35.4% niedriger als in der Noradrenalin-Gruppe (39.3%); dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. In einer prospektiven Subgruppenanalyse fand sich der grösste numerische Vorteil für Vasopresson bei Patienten mit leichterem septischem Schock (Mortalität 26.5% versus 35.7%; p=0.05).
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